Dr.Heinrich Jasper

Dr. Heinrich Jasper wurde am 21.August 1875 in Dingelbe geboren. Nur wenige Jahre konnte sich Dr.Jasper seines Elternhauses erfreuen. Sein Vater besaß in Bornhausen / Harz einen großen Wirtschaftsbetrieb und bewirtschaftete als Pächter das Gut in Dingelbe. Mit sechs Jahren kam der Sohn in die Familie eines früh verstorbenen Forstmannes. Hier wurde er auch - noch unter dem Sozialistengesetz - zum erstenmal mit den Ideen des Sozialismus bekannt. Nach dem Besuch des Gymnasiums in Hildesheim studierte Jasper in München, Leipzig und Berlin Rechts- und Staatswissenschaften. Im Alter von 25 Jahren erwarb er 1900 den Doktorhut, legt 1901 die Große Juristische Staatsprüfung ab und ließ sich im gleichen Jahr in Braunschweig als Rechtsanwalt nieder.

Dr. Heinrich Jasper, dem es aufgrund seines großen ererbten Privatvermögens möglich gewesen wäre, ein Leben in ruhiger Beschaulichkeit zu führen, nahm sich derer an, die in wirtschaftliche und sozialer Not befanden. Bereits 1903 zog er als sozialdemokratischer Stadtverordneter in das Stadtverordneten-Parlament ein. In den Braunschweigischen Landtag konnte er infolge des Dreiklassenrechtes trotz mehrfacher Kandidatur erst 1914 einziehen. Für die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts gilt Dr. Jasper - den die Arbeiter "unseren Doktor" nannten - als die überragende Persönlichkeit der sozialdemokratischen Bewegung im Lande Braunschweig. Er übernahm das Erbe von Wilhelm Brake, der der Gründungsgeneration angehörte und bereits im Jahre 1880 im Alter von 38 Jahren verstorben war. Beide waren Söhne begüterter Bürgerfamilien. Das soziale und politische Unrecht ihrer Zeit ließ sie zu glühenden Kämpfern an der Seite des "kleinen Mannes werden"

Während des ersten Weltkrieges stand Dr. Jasper als einfacher Soldat an der Front, da er als Sozialdemokrat trotz seines akademischen Grades nicht Offizier werden konnte. Diesen einfachen Soldaten holte der braunschweigische Herzog im November 1918 aus dem Felde zurück, da man glaubte, dass er als gemäßigter Politiker das Schlimmste verhüten konnte. Am 17. April 1919 berief der Kommandeur des Freiwilligen Landjägerkorps, General Maercker, Dr. Jasper zum Regierungschef des Landes Braunschweig. Dieses hohe Amt hatte er dann bis 1921, von 1922 bis 1924 und von 1927 bis 1930 inne. Von da ab regierten die Küchenthal, Franzen, Klagges, Mitglieder der NSDAP. Als Abgeordneter der Nationalversammlung hat Dr. Jasper an der Weimarer Verfassung mitgearbeitet. 1933, nach der "Machtübernahme" der

Nazis, wurde Dr. Jasper verhaftet, schwer misshandelt und ins Gefängnis gesteckt. Für kurze Zeit entlassen, holte ihn die Gestapo abermals. Zwei Jahre Einzelhaft, Konzentrationslager in Oranienburg und Dachau. 1939 wurde er wiederum frei. Er widmete sich wissenschaftlicher Arbeit. 1944 nahm ihn die Gestapo wieder in Haft und verschleppte ihn schließlich nach Bergen Belsen.

Hier verstarb er am 1945 u.a. an völliger Entkräftung. Man fand ihn des morgens tot im Lagergelände, nachdem man ihn am Tage zuvor grausam ausgepeitscht hatte. Am nächsten Tag wurde er im Feuer eines Holzstapels verbrannt.

In Dr. Jasper verbanden sich Staatsmann, politische Persönlichkeit und edles Menschentum in seltener Vollendung. War er als verantwortlicher Ministerpräsident von äußerster Sparsamkeit in allen Dingen des öffentlichen Lebens, so war er selbst gegenüber in Not geratenen Menschen von größter Freigiebigkeit.

Dieser Bericht soll das Leben dieses großen Sohnes unseres Dorfes für immer festhalten, der sein Leben für das Recht und die Menschenwürde geopfert hat.

Aus: Geschichte der SPD-Dingelbe, Hans Ernst